Harnsteine bei Katzen – Was ist wichtig?

von Dr. Birgit Leopold-Temmler

Katzen sind von ihrer grundsätzlichen Natur her eigentlich Wüstenbewohner. Daher trinken viele Katzen eher wenig. Weil Katzen wenig Flüssigkeit aufnehmen, ist ihr Urin oft sehr hoch konzentriert. Je nach Zusammensetzung des Urins und je nach Vorliegen weiterer Risikofaktoren, wie z.B. unausgewogener Ernährung, Übergewicht und Stress, können sich Kristalle und Harnsteine bilden.

Besonders gefährlich ist die Bildung von Kristallen und Harnsteinen für männliche Katzen, d.h. für Kater. Ihre enge Harnröhre kann sich sehr leicht verlegen. Das ist nicht nur extrem schmerzhaft, sondern bei einer kompletten Harnröhrenverlegung lebensgefährlich. Der Kater kann dann keinen Urin mehr absetzen – und das ist immer ein lebensbedrohlicher Notfall, der sofort behandelt werden muss.

Das FLUTD-Syndrom der Katze

Erkrankungen des Harntraktes werden bei der Katze unter dem Begriff FLUTD (Feline Lower Urinary Tract Disease = Erkrankung der unteren Harnwege bei Katzen) zusammengefasst. Eine FLUTD, die vielleicht zunächst ohne Kristallbildung oder Harnsteine auftritt, ist aber dennoch unbedingt zu beachten, denn Entzündungen begünstigen die Bildung von Kristallkernen in der Blase, aus denen sich dann durch Anlagerung weiterer Kristalle schließlich Harnsteine bilden.

FIC

Die FIC (Feline Idiopathic Cystitis) ist ein neues Syndrom mit Blasenbeschwerden, das ausschließlich weibliche Katzen betrifft. Hierbei kommt infolge noch nicht komplett bekannter Faktoren zu einer nicht bakteriellen, sterilen Blasenentzündung, die die betroffenen Katzen u.a. auch für Harnsteine prädisponieren kann.

Verschiedene Harnsteine: Struvit vs. Oxalat

Harnsteine können unterschiedlich zusammengesetzt sein. Während früher meist sog. Struvitsteine auftraten, findet man heute vermehrt auch Oxalatkristalle und Oxalatsteine, die meistens aus Calciumoxalat bestehen und die sehr spitze Haken auf ihrer Oberfläche ausbilden können. Der Unterschied: Struvitsteine lassen sich meist über eine Diätfütterung mit Beeinflussung des pH-Wertes des Katzenurins auflösen, Oxalatsteine nicht.

Ernährung und andere Faktoren

Ein gutes Futter für Katzen enthält heute eine ausgewogene Mineralstoffzusammensetzung mit dem Ziel, damit Harnsteinen vorzubeugen. Allerdings können Katzen auch bei optimaler Ernährung (hochwertiges Eiweiß, nicht zu viel Vitamin D, dies fördert einen zu hohen Calciumspiegel im Blut und damit v.a. Calciumoxalatsteine) ein Steinleiden bekommen. Einige Katzenrassen sind prädisponiert, z.B. Perserkatzen und Britisch Kurzhaar. Aber auch alle anderen Rassen und ganz normale Hauskatzen (Europäisch Kurzhaar) können erkranken, insbesondere Kater (s.o.) trifft es häufiger. Eine der wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen besteht darin, die Katze bzw. den Kater zu einer vermehrten Wasseraufnahme zu bewegen, z.B. indem man einen Trinkbrunnen aufstellt, oder aber die Gewohnheit mancher Katzen, aus Wasserhähnen zu trinken, nutzt. Flüssige Katzenmilch (z.B. GimCat Milch) oder ein flüssiger attraktiver Snack (z.B. GimCat Pudding) erhöht die Wasseraufnahme zusätzlich. Die ausgewogene Ernährung mit Nass- und Trockenfutter ist ebenfalls zu empfehlen.

Ein sehr wichtiger Punkt ist der pH-Wert des Urins. Für die richtige Einstellung des pH-Wertes gibt es neuerdings auch leckere Pasten. Diese speziellen Pasten stellen eine sehr gute Option dar, da manche Katzen spezielle „Urinary“ Futter nicht gern fressen.

Ein anderer sehr wichtiger Auslöser ist Stress. Katzen sind sehr empfindlich, was Veränderungen in ihrer Umgebung anbelangt. Für Katzenbesitzer ist es nicht immer einfach, Stress bei ihrer Katze zu erkennen. Daher sollte die Behandlung im Falle einer FLUTD- oder Harnsteinproblematik auch immer eine Stressanalyse mit umfassen.

Symptome, Therapie, Prophylaxe

Wenn Ihre Katze häufiger die Katzentoilette aufsucht, dabei vielleicht maunzt, oder Sie gar rosafarbene Katzenstreu in der Katzentoilette vorfinden, besteht ein Verdacht auf FLUTD/Harnsteine, und es muss zeitnah eine Tierarztpraxis aufgesucht werden. Manche Katzen mit FLUTD oder Harnsteinen werden unsauber, weil sie den Toilettengang mit Schmerzen assoziieren. Daher darf bei Unsauberkeitsproblemen nicht automatisch von einer Verhaltensstörung ausgegangen werden, sondern es sollte immer als Erstes der Harntrakt der Katze untersucht werden.

Sollten Sie überhaupt keine Spuren eines Toilettenbesuchs vorfinden, und einen Kater besitzen, dann liegt eventuell ein Notfall vor und Sie sollten sofort – auch nachts oder am Wochenende - eine Tierarztpraxis oder -klinik aufsuchen.

Diagnostik und Therapie

Die Diagnostik bei FLUTD, FIC und/oder Harnsteinverdacht besteht aus der Untersuchung einer Blut- und Urinprobe, Röntgenaufnahmen in 2 Ebenen und einer Ultraschalluntersuchung. Die Nieren können in Mitleidenschaft gezogen werden, daher sollte unbedingt auch der sog. SDMA-Wert mitbestimmt werden. Diese gründliche Eingangsdiagnostik ist sehr wichtig, v.a. auch in Hinblick auf die besonders bei Katern häufigen Rezidive.

Ziele der Akuttherapie sind eine rasche Schmerzlinderung und die möglichst sofortige Entfernung der Kristalle oder Harnsteine. Bei Katern mit einer Harnröhrenverlegung muss per Katheter gespült werden, auch Infusionen zur Ausschwemmung sind wichtig. In einigen Fällen muss auch operiert werden.

Noch ein wichtiger, besonders aktueller Hinweis: Sollte sich ein Steinchen im Harnleiter verfangen haben, d.h. irgendwo zwischen Nierenbecken und Blase festhängen, so muss das nicht immer schmerzhaft sein, jedoch ist die betreffende Niere in Gefahr. Dies ist der Grund, warum 2 Röntgenaufnahmen in 2 verschiedenen Ebenen notwendig sind (möglichst hochauflösende Digitalröntgenaufnahmen), da nur so die Harnleiter dargestellt werden können. Um die Niere und häufig auch die Katze selbst zu retten, kann heute operativ ein Bypass zwischen Niere und Blase gelegt werden, wobei diese Bypass-Operation derzeit nur durch wenige Tierkliniken durchgeführt wird.

Das langfristige Management zielt auf die Verhinderung von Rezidiven und muss daher alle individuellen, oben genannten Faktoren mit umfassen.

Die GimCat Urinary Paste enthält Komponenten, für die wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass sie Harnwegserkrankungen reduzieren indem sie der ...

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